Michael Wagner, MdL:"Das Bildungs- und Erziehungsangebot darf in der Corona-Krise nicht auf der Strecke bleiben"

02.05.2020

Es muss bald wieder zu einem behutsamen Wiedereinstieg in die Kindertagesbetreuung kommen

Das Bildungs- und Erziehungsangebot darf in der Corona-Krise nicht auf der Strecke bleiben. Gleichzeitig müssen wir besonders gefährdete Menschen bestmöglich vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Deshalb ist der Infektionsschutz und der Kontakt zu Gleichaltrigen in die Diskussion bei der Öffnung der Kindergärten unbedingt mit einzubeziehen. Und die Erzieherinnen und Erzieher benötigen eine klare Handlungsanweisung durch die Landesregierung.

Zur Zeit besuche ich viele Kindertagesstätten, um mich einerseits bei den Erzieherinnen und Erziehern für ihre verantwortungsvolle Arbeit in dieser Krisenzeit zu bedanken und um andererseits aber auch als Ansprechpartner für Probleme zur Verfügung zu stehen. Immer wieder höre ich, die Erzieherinnen und Erzieher fühlten sich von der Landesregierung allein gelassen. Die Kindertagesstätten seien zwar offiziell geschlossen, und spielten damit im gesundheitlichen Corona-Krisenmanagement keine Rolle, müssten aber Kinder in Notgruppen betreuen. Mein Eindruck ist, dass die Erzieherinnen und Erzieher dieser Betreuungsaufgabe mit Herz und großem Engagement nachkommen. Nach Auskunft der im Kindertagesstätten-Bereich Verantwortlichen fehlt es aber an einer klaren und verständlichen Richtlinie. "Wie lange bleiben die Kindertagesstätten geschlossen? Wann und für welche Kinder werden die Kindertagesstätten wieder geöffnet? "Wie trennen wir bei einer Öffnung der Kindertagesstätten die Notfallgruppen von den restlichen Kindern? Wie schützen wir bei einer Öffnung der Kindertagesstätten unser eigenes vulnerables Personal?" Dies sind nur einige Fragen, die die Erzieherinnen und Erzieher beschäftigen.

Es muss bald wieder zu einer Öffnung der Kindertagesstätten kommen. Das sehen die für den Kindertagesstätten-Bereich Verantwortlichen nicht anders. Es geht um die Familien, die nach vielen Wochen der Doppelbelastung entkräftet sind. Es geht aber auch um wichtige Kinderrechte wie das Recht auf Bildung. Kindertagesstätten sind Bildungseinrichtungen. Viele Kinder werden massiv geschädigt, wenn ihnen die Förderung und der Austausch mit anderen Kindern über lange Zeit vorenthalten wird .

Ein völliger Normalbetrieb wird aus Gründen des Gesundheitsschutzes sofort nicht denkbar sein. Wichtig ist aber, neben einem funktionierenden Notdienst allen Kindern wenigstens teilweise das Kita-Erlebnis zurückzugeben. Der soziale Austausch und die Förderung müssen immer wieder die häusliche Isolation auflockern. Aus diesem Grunde stehe ich für einen behutsamen Wiedereinstieg in die Kindertagesbetreuung, und erwarte, dass dabei die Erzieherinnen und Erzieher mitgenommen werden. Die Kita-Träger sind jedenfalls bereit, ihre Kompetenz bei der Erarbeitung der Konzepte mit einzubringen.