Kunst und Kultur sind nach den Worten von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier "keine verzichtbaren Nebensachen".

Sie sind wie "Lebensmittel". Dann müssen wir damit aber auch entsprechend sorgsam umgehen.

11.05.2020 | Quelle: RHEINPFALZ vom 11.05.2020

Am 13.03.2020 habe ich meine Kleine Anfrage zum Musiklehrermangel an den Grundschulen an die Landesregierung gerichtet, jetzt habe ich mit Datum vom 27.04.2020 die Antwort der Landesregierung erhalten Leider wurden meine Befürchtungen, was den Musikunterricht an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz angeht, bestätigt. In meinen Augen eine fatale Fehlentwicklung.

An den rheinland-pfälzischen Grundschulen sollen laut einer Bertelsmann-Studie im Jahr 2028 exakt 2.106 Musiklehrer*innen in Rheinland-Pfalz fehlen. In der Antwort auf meine Anfrage betont Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) einerseits, dass die am 11.03.2020 veröffentlichte Studie „Musikunterricht In der Grundschule - Aktuelle Situation und Perspektive" von Prof. Dr. Andreas Lehmann-Wermser, Prof. Dr. Horst Weishaupt und Ute Konrad, die einer Kooperation der Bertelsmann-Stiftung, des Deutschen Musikrates und der Konferenz der Landesmusikräte entsprungen ist, positiv zu bewerten sei. Andererseits zieht die Ministerin aus dieser Studie nicht die entsprechenden Schlussfolgerungen, was nach meinem Dafürhalten und nach der Auffassung der Bertelsmann-Stiftung eine fatale Auswirkung auf die musikalische wie persönliche Lebensentwicklung unserer Kinder hat.

Ohne ein ausreichendes Angebot an Musikunterricht in der Grundschule bekommen vor allem sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler kaum Chancen, mit Musik in Kontakt zu kommen, so die Bertelsmann-Stiftung. Diesen Satz kann ich voll und ganz unterstreichen. Im Musikunterricht erhielten Kinder die Chance, als Persönlichkeit heranzuwachsen. Gerade für Kinder ist es wichtig, über Musik Gemeinschaft zu erleben. Über Musik lernen die Kinder sich im Schulalltag auszudrücken und erfahren Gemeinschaft mit anderen Kindern. Musik ist die Sprache, die überall gleich gesprochen und verstanden wird. Musik fördert die Konzentrationsfähigkeit, vermittelt Textverständnis. Im szenischen Spiel gewinnt man Selbstvertrauen, die Persönlichkeit entfaltet sich auf eine ganz natürliche Weise.

Aufgrund des sog. "Klassenlehrerprinzips" unterrichten Lehrer an Grundschulen Musik, die dafür gar nicht ausgebildet sind. Für den Bereich der Musik gibt es keine "Fachlehrer", für Sport und evangelische und katholische Religion schon.

Das ist in meinen Augen eine fatale Fehlentwicklung. Denn wie sagt uns dies der große österreichische Dirigent und Cellist Nikolaus Harnoncourt: "Die Kunst ist keine hübsche Zuwaage. Sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein. Und deshalb ist es wichtig, dass wir diese Sprache, die Sprache des Herzens, wieder ganz zentral in die Erziehungsprogramme, in die Lehrpläne aufnehmen, wo sie jahrhundertelang ihren Raum innehatte. Wenn unsere Kinder diese Sprache nicht mehr lernen, geht sie wohl für immer verloren." "Dem ist nichts, aber auch gar nicht hinzuzufügen.