Siedlungsrealschule Plus als Schwerpunktschule am Rande des machbaren pädagogischen Integrationsauftrags?

22.01.2020

Im Jahr 2001 wurde das reguläre Modell des gemeinsamen Unterrichts von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, die sogenannten Schwerpunktschulen, ins Leben gerufen. Schwerpunktschulen sind lt. Definition "wohnortnahe (d.h. möglichst flächendeckend vorhandene) allgemeine Schulen (Grundschulen und weiterführende Schulen der Sekundarstufe I), an denen Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen überwiegend im zieldifferenten Unterricht gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne Behinderung lernen.“ (Laubenstein., 2015, S. 278).

In Speyer wurde die damalige Siedlungshauptschule, die heutige Siedlungsrealschule Plus, im Schuljahr 2004/2005 als Schwerpunktschule eingerichtet, die von 2003 bis 2007 übrigens auch von Bürgermeisterin Monika Kabs zunächst als Konrektorin und von 2007 bis 28.02.2010 als Rektorin geleitet wurde, und der diese Schule bis zum heutigen Tag am Herzen liegt.

Bei meinem kürzlichen Besuch der Siedlungsrealschule Plus durfte ich sehr engagierten Lehrerinnen und Lehrern begegnen, Lehrerinnen und Lehrern, die, so wurde mir das Gefühl vermittelt, ihren Beruf aus Berufung erwählt haben und dies gerade und insbesondere an einer Schwerpunktschule. Umso mehr irritierte es mich, zu vernehmen, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihrem pädagogischen Integrationsauftrag, den sie sehr gerne erfüllen möchten, kaum mehr nachkommen können, da das zahlenmäßig pädagogisch sinnvolle Verhältnis von Schülerinnen und Schülern ohne Behinderung und Schülerinnen und Schülern mit einer Behinderung nicht mehr gegeben sei.

Aktuell werden an der Siedlungsrealschule Plus 277 Kinder unterrichtet. Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler dieser Schule, so wurde mir mitgeteilt, haben einen individuellen, sonderpädagogischen Förderbedarf. Dies entspricht ca. 22 Prozent aller Schülerinnen und Schüler. Somit müssen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler individuell betreut werden, als es die Grundvoraussetzungen bei Antragsstellung zur Schwerpunktschule vorgesehen haben.

Und damit auch dies nicht falsch verstanden wird: die Lehrerinnen und Lehrer haben mir gegenüber zu keiner Zeit dafür plädiert, die Schwerpunktschule aufzugeben. Im Gegenteil, sie haben sich erfreulicherweise ausdrücklich für die Schwerpunktschule ausgesprochen.

Im Umkreis von Speyer gibt es mit der Grundschule Lingenfeld eine weitere Schwerpunktschule, bei der allerdings die Voraussetzungen (weil Grundschule) nicht gegeben sind, um den vorgenannten Erfordernissen gerecht zu werden. Der Umkreis von Speyer, so sehen dies die Verantwortlichen der Siedlungsrealschule Plus, benötigt dringend eine weitere Schwerpunktschule.

Aus diesen Gründen habe ich mir erlaubt, nachfolgende Kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen.

Mit herzlichen Grüßen
Michael Wagner
Mitglied des Landtags Rheinland-Pfalz


K l e i n e A n f r a g e

des Abgeordneten Michael Wagner (CDU)

Schwerpunktschulen (SPS) im Wahlkreis 38 (Speyer, Schifferstadt, Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen)

Im Jahr 2001 wurde das reguläre Modell des gemeinsamen Unterrichts von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, die sogenannten Schwerpunktschulen eingeführt.

In Speyer wurde die Siedlungsrealschule Plus Speyer Nord im Schuljahr 2004/2005 zu einer solchen Schwerpunktschule. Aktuell werden an der Siedlungsrealschule Plus 277 Kinder unterrichtet. Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler dieser Schule haben eine individuellen, sonderpädagogischen Förderbedarf. Dies entspricht ca. 22 Prozent aller Schüler. Somit müssen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler individuell betreut werden, als es die Grundvoraussetzungen bei Antragsstellung zur Schwerpunktschule vorgesehen haben. Damit können die Lehrerinnen und Lehrer der Siedlungsrealschule Plus ihrem pädagogischen Integrationsauftrag, den sie sehr gerne erfüllen möchten, kaum mehr nachkommen.

Im Umkreis von Speyer gibt es mit der Grundschule Lingenfeld eine weitere Schwerpunktschule, die allerdings nicht ausreicht, um den vorgenannten Erfordernissen gerecht zu werden. Der Umkreis von Speyer, so sehen dies die Verantwortlichen der Siedlungsrealschule Plus, benötigt dringend eine weitere Schwerpunktschule.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

Plant die Landesregierung die Errichtung weiterer Schwerpunktschulen im Umkreis von Speyer?
Wenn ja, welche Schulen sind hierfür vorgesehen?
Wie geht die Landesregierung mit diesem deutlichen erhöhten sonderpädagogischen Betreuungsaufwand an der Siedlungsrealschule Plus in Speyer Nord um? Werden in den nächsten Jahren weitere Mittel für diese pädagogische Förderaufgabe bereitgestellt?
Werden weitere Fachkräfte mit entsprechender Qualifikation an der Siedlungsrealschule Plus Speyer Nord eingestellt werden?
Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt und wie sieht die konkrete Finanzierungsquelle hierfür aus?
Wie bewertet die Landesregierung das Konzept der Schwerpunktschulen nach deren Einführung?